Konstantinopel fiel 1453 – das Wissen blieb erhalten: ein einzigartiger Kulturtransfer aus Byzanz nach Italien und Europa „Der Zustrom griechischer Schriften nach Italien im 15. Jahrhundert und seine Auswirkung auf das Studium des Griechischen“, über dieses Thema referierte Privatdozent Dr. Christoph Kugelmeier (Saarbrücken, Greifwald), am 30. September vor interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern im Historischen Lesesaal der Bibliothek des Priesterseminars.

Dr. Christoph Kugelmeier

Anhand verschiedener Handschriften und Persönlichkeiten beleuchtete der Referent, welchen außerordentlichen Kultur- und Wissenszuwachs Europa der Eroberung Konstantinopels 1453 verdankt. Das Byzantinische Reich ging unter, aber sein Wissen blieb der Nachwelt erhalten. Griechische Theologen kamen als Gesandte nach Rom und sollten im Auftrag des byzantinischen Kaisers eine Kirchenunion und ein Bündnis mit dem Papst schließen. Die Verhandlungen waren folgenlos. Aber die griechischen Gelehrten blieben in Italien. Italienische Humanisten und Renaissancefürsten waren von der griechischen Kultur und Wissenschaft fasziniert, denn Wissen und Literatur aus Byzanz waren in Europa damals sehr begehrt. Italienische Gelehrte lernten Griechisch und die Renaissancefürsten beschäftigten griechische „Emigranten“ als Professoren an ihren Universitäten.

Eine Fragerunde und ein Empfang rundeten den Abend ab.

Außergewöhnliche Würdigung zum 1350. Geburtstag: Vortrag über den heiligen Willibrord von Jean-Claude Muller aus Luxemburg und vollständige Neuübersetzung Willibrords Biografie von Alkuin durch den Trierer Altphilologen Paul Dräger

Jean-Claude Muller, Paul Dräger, Alexander Reverch

„Willibrord als Luxemburger Nationalheiliger“, über dieses Thema referierte Jean-Claude Muller am 18. November vor interessierten Zuhörern im Historischen Lesesaal der Bibliothek des Priesterseminars. Zum 1350. Geburtstag des heiligen Bischofs 2008 würdigte der Referent die Lebensbeschreibung des heiligen Willibrord (658-739) von Alkuin als eine der frühesten Literaturzeugnisse aus Luxemburg. Diese Biografie ist auch die Textgrundlage für das Offizium des heiligen Willlibrords aus der Benediktinerabtei Echternach. Anhand verschiedener Text- und Musikbeispiele führte Muller diesen Zusammenhang vor. Diese gregorianischen Gesänge sind zur Aufführung an seinem Namenstag am 7. November im Mittelalter komponiert worden.

Die lateinische Heiligenvita ist nun gut erschlossen durch eine kommentierte Übersetzung von dem Trierer klassischen Philologen Paul Dräger. Mit seiner Leistung schließt der Autor eine wichtige Lücke: Er übertrug zum ersten Mal vollständig diese frühmittelalterliche Biografie ins Deutsche. Dräger skizzierte in seiner Vorstellung Willibrords erfolgreiches Wirken als Friesenmissionar in Utrecht, Wundheiler in Trier und „Gründungsabt“ der Abtei Echternach. Der Übersetzer erklärte Willibrords Erfolg mit dessen guten Kontakten zu karolingischen Adligen, vor allem zur Familie Karl Martells. Dessen Sohn Pippin taufte Willibrord 714.

Direktor der Stadtbibliothek Trier Michael Embach Ehrenmitglied bei PRO LIBRIS
Festvortrag „Das Jesuitentheater in Trier“ zum zehnjährigen Jubiläum von PRO LIBRIS
Aus Anlass ihres zehnjährigen Jubiläums wählte die Mitgliederversammlung der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS Prof. Dr. Michael Embach zu ihrem ersten Ehrenmitglied.

Prof. Dr. Michael Embach

Damit würdigt PRO LIBRIS das Engagement von Prof. Dr. Embach für sein Engagement. Seit 1998 bereichert das neue Ehrenmitglied das Programm von PRO LIBRIS und das Jahresheft LIBRI PRETIOSI mit interessanten Beiträgen zum schönen, religiösen Buch. Auch im neuen, von Prof. Dr. Wolfgang Schmid vorgestellten Jahresheft, publizierte er einen Beitrag. Das neue Ehrenmitglied war spontan bereit, den Festvortrag „Das Jesuitentheater in Trier“ anstelle des erkrankten 1. Vorsitzenden, Prof. Dr. Dr. Franz Ronig, zu übernehmen. In seinem Festvortrag stellte Embach die Tradition des Jesuitentheaters in Trier vor. In Trier engagierten sich die Jesuiten seit 1560 als Verfasser und Regisseure von Theaterstücken.

Das Publikum sollte sich in den Theaterstücken erkennen und moralisch gebildet werden. Die Themen waren kirchenhistorischen Stoffen entnommen und wurden nur zu einem besonderen Anlass aufgeführt. Die besondere Leistung der beiden Trierer Jesuiten Maßen und Altier als Verfasser und Regisseure der Theaterstücke war die Benutzung der deutschen Sprache statt des klassischen Lateins.

Pressebericht vom 10. Dezember 2008

Ambrosius – ein streitbarer Gottesmann aus Trier

Professor Dr. Andreas Heinz, Alexander Reverchon

„Ambrosius von Mailand (339-397) – ein Kirchenvater aus Trier“ hieß der Vortrag von Professor Dr. Andreas Heinz (Deutsches Liturgisches Institut Trier) am 9. Dezember 2008 vor zahlreichen Zuhörern im Historischen Lesesaal der Bibliothek des Priesterseminars in Trier. Anlass war sein neustes Buch „Liturgie und Frömmigkeit: Beiträge zur Gottesdienst- und Frömmigkeitsgeschichte des (Erz-)Bistums Trier und Luxemburgs zwischen Tridentinum und Vatikanum II (Kliomedia), 2008“. Der Referent charakterisierte Ambrosius als einen engagierten Bischof mit Trierer Wurzeln, der den römischen Kaisern und den häretischen Arianern erfolgreich die Stirn bot. Einer seiner Hymnen, der Weihnachtshymnus, „Veni, Redemptor Gentium“ („O Heiland komm“) erinnert noch heute daran: Mit diesem Kirchenlied beschützte er eine Mailänder Basilika vor römischen Truppen und Arianern.

Seine Wiege stand im Trierer Präfektenpalast. Hier verbrachte er seine Kindheit als Sohn dieses hohen römischen Beamten. Nach dessen frühen Tod setzte Ambrosius sein Studium in Rom fort. Sein Talent und seine Herkunft ließen ihn bald zum Präfekten der Kaiserresidenz Mailand aufstiegen, wo ihn die katholischen Gemeinde aufgrund seiner Autorität zu ihrem Bischof wählte. 384 und 385 besuchte er als Bischof seine Heimat.