Pressebericht der Bibliothek des Priesterseminars Trier zum Vortrag von Prof. (em.) Dr. Christian Hannick „Illustrierte slawische Psalter“


Der Byzantinist und Slawist Prof. (em.) Dr. Christian Hannick (Ostkirchliches Institut an der Universität Würzburg) referierte über illustrierte slawische Psalter auf Einladung der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS in der Bibliothek des Priesterseminars Trier.

Der Referent skizzierte die historische Entstehung und Entwicklung des kirchenslawischen Psalters und in diesem Zusammenhang würdigte er den bedeutenden Einfluss der byzantinischen und russischen Buchkunst. Zuerst stellte er die ältesten slawischen Denkmäler dieser Literaturgattung aus dem 9. Jahrhundert vor und schloss seine Ausführungen mit Psaltern aus dem 16. Jahrhundert. Merkmale dieser Buchkultur sind besonders kunstvoll gestaltete Anfangsbuchstaben und später auch Buchmalereien. Wichtige Zentren für die Entstehung slawischer Prachtpsalter waren Serbien und Bulgarien ab dem 13. Jahrhundert bis zum Beginn der osmanischen Herrschaft im 15. Jahrhundert. Von den Prachtpsaltern haben sich noch einige auf dem Sinai erhalten, wohin sie slawische Pilger auf ihren Wallfahrten für die dortigen Eremiten mitbrachten
Als ein Beispiel russischer Buchkunst präsentierte den Kiewer Psalter, dessen prachtvolle Buchminiaturen auf die Textstellen und Überschriften bezogen und auch theologisch gedeutet werden können.

Vortrag in der Bibliothek des Priesterseminars Trier am 24. 1. 2012:
„Bildpostkarten als Medium zu den Wallfahrten zum heiligen Rock, 1891-1996“

Von Hans-Joachim Kann



Ein Vortrag über Postkarten scheint in einer Bibliothek fehl am Platz, zumal in einer renommierten Reihe, die von dem Verein „Pro Libris“ organisiert wird und deren Zusammenfassung in der Zeitschrift Libri Pretiosi erscheinen soll. Es gibt aber, neben der kommerziell sehr erfolgreichen Produktion von gediegenen Bucheinbänden ohne jeden Blattinhalt (eine Sonderform ist der prachtvolle Folieneinband, in dessen leerem Gehäuse der achtzehn Jahre alte Whiskey oder der noch ältere Cognac versteckt ist, so dass man auch hier durchaus von „wertvollen Büchern“ sprechen kann) auch spezielle Scheinbücher mit Seiten, aber eben leeren Seiten, weißen Seiten. Und in einer Stadt mit einer noch bestehenden Porta Nigra und der bis zum 13. Jahrhundert stehenden Porta Alba (bei der Wisportstraße, Straße zur Weißen Pforte) sind selbst dem Lateinfernen neben niger, nigra, nigrum für „schwarz“ auch die Formen albus, alba, album für „weiß“ entfernt geläufig. Dieses Buch mit weißen Seiten für Photos, Weinetiketten, Briefmarken oder – eben Postkarten ist dann das „Album“, und für den Sammler ist dieses Album lieb und teuer, halt: kostbar, selbst wenn es nicht eine Blaue Mauritius enthält.
Postkartensammler gibt es überraschend viele, und in Trierer Sammlungen finden sich dann natürlich auch Stücke mit religiösen Themen („Was passiert denn so in Trier?“ – „Entweder es regnet, oder die Glocken läuten!“). Und damit lassen sich dann auch Postkarten zum heiligen Rock entdecken.
Mit Wallfahrten sind Andenken untrennbar verbunden. Das war schon zu Christi Zeiten so, und wir lesen in der Apostelgeschichte, wie der hl. Paulus nach Ephesos kam. Dort lebte „einer mit Namen Demetrius, ein Goldschmied, der machte silberne Tempel der Diana und wandte denen vom Handwerk nicht geringen Gewinst zu“ (Ap 19,24). Demetrius und die Verkäufer der Wallfahrtsandenken fürchteten um ihr Geschäft, und es kam zu einem Aufruhr, der nur mit Mühe besänftigt werden konnte.
Die Forschung zu Trierer Wallfahrtsandenken, genauer zu metallenen Wallfahrtszeichen, begann so richtig erst mit Kurt Köster und einem Aufsatz im Trierischen Jahrbuch 10 (1959), S. 36-56. Die große Arbeit von Ursula Hagen zu Wallfahrtsmedaillen des Rheinlandes von 1973 konzentrierte sich ebenso auf die metallenen Abzeichen wie die Auktion Wallfahrtsmedaillen des deutschen Sprachgebietes (Sammlung Dr. Busso Peus, 1982). Als erster großer Katalog zu Trierer Heilig-Rock-Andenken überhaupt kann Zwischen Andacht und Andenken: Kleinodien religiöser Kunst und Wallfahrtsandenken aus Trierer Sammlungen (Bischöfliches Museum Trier 1992) gelten, ein Standardwerk im deutschlandweiten Andenkenhandel. Aber auch hier gerieten Postkarten nicht in das Blickfeld der Herausgeber, und so erschienen solche Karten höchstens als Bestandteile von Rahmungen („Andenkenbild“) oder Collagen mit offiziellem Pilgerzeichen von 1933 und Rahmung (z. B. B 200 oder B 202).
Erst 1995 erschien in dem großen Band Der Heilige Rock zu Trier. Studien zur Geschichte und Verehrung der Tunika Christi (Trier 1995) eine Abhandlung des Vortragenden: „Heiligrock-Postkarten – Probleme und Möglichkeiten einer Materialauswertung“ (S. 625-667), in der 35 Postkarten abgebildet und besprochen wurden. Und ein Jahr später wurden parallel zur Wallfahrt in der Städtischen Bücherei Trier am Domfreihof in der Zeit vom 16. 4. – 31. 5 1996 rund einhundert Heiligrock-Postkarten aus den Sammlungen Hans-Joachim Kann, Ernst Steffny und Addi Welter ausgestellt und erklärt. Ein kleiner Ausstellungsbegleiter Ansichtskarten zu Heilig-Rock-Wallfahrten (Trier 1996) zeigte und beschrieb weitere 26 Postkarten, nämlich die 10 bis dahin bekannt gewordenen Heiligrock-Postkarten von 1891 sowie 16 Künstler-Postkarten von 1933 und 1959 (Hans Adamy, Margret Bidinger-Linck, Walter Burgermeister, Annette Craemer, Martin Mendgen und Rudolf Schmitz). Annette Cramer stellte dabei einen bemerkenswerten „Rekord“ auf. 1959 hatte sie die Scherenschnitt-Vorlage für eine Postkarte entworfen und ausgeführt (die auch für die Titelblattgestaltung des kleinen Ausstellungsführers benutzt wurde), 1996 mit einem weiteren Scherenschnitt die Grundlage für drei Farbvarianten für weitere Postkarten geschaffen, und 2011 hatte sie wieder Scherenschnitte zum Thema „hl. Rock“ erstellt.
Weder für die HR-Wallfahrten 1810 noch 1844 gibt es Postkarten, denn diese besondere Form der Kurzmitteilung (schon „Brief“ von lat. brevis = „kurz“ war ja ursprünglich nur eine kurze Mitteilung) war noch nicht erfunden. Erst die Idee von Heinrich (1885 dann „von“) Stephan (1831-1897) von 1865 (nach Vorläufern seit 1860) für ein zuerst abgelehntes „Postblatt“ führte 1870 in Preußen zur Einführung der „Korrepondenzkarte“, seit 1872 im Deutschen Reich „Postkarte“, und ebnete den Weg zu einem neuen Mitteilungs-, aber auch Werbemedium.
So gab es dann bei der 1891er Heiligrock-Ausstellung bereits Postkarten, sogar mindestens zehn verschiedene, die nachweislich in Köln, Straßburg, Dresden, Bonn und Frankfurt am Main hergestellt worden waren. (es ist denkbar, dass einige der fünf ohne ausdrückliche Herstellerbezeichnung gedruckten Postkarten in Trier produziert wurden; diese zweisprachige ist aus „Cöln“ – erst nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Schreibweise zu „Köln“ umgeändert).

[Abb. 2]

Längere Zeit war die Rückseite nur für die Eintragung der Adresse bestimmt. Sie enthielt daher, wie bei unserem Exemplar, viel Platz für ausführliche Angaben und Stempel.

[Abb. 3]

Nur die Vorderseite durfte beschrieben werden, aber auch bloß mit bis zu einem Maximum von 20 Wörtern; deshalb waren Postkarten ganz anders strukturiert als heute und enthielten keine Ganzbild-Darstellung, sondern eine freie Fläche, die von Bildchen und Schmuckarabesken gerahmt war. Auf unserem Exemplar ist selbst der begrenzte Raum kaum genutzt und trägt auf der Vorder- und Schreibseite nur einen Namen. Die Postkarte ist ja postalisch gelaufen und besitzt daher auf der Rückseite eine Briefmarke, einen Absendestempel (4.9.02 6-7N) sowie noch einen Ankunftsstempel (LUXEMBOURG.VILLE P 4.9.02 8.95). Wie man sieht, wurde diese Postkarte am 4. September 1902 abgeschickt, also 11 Jahre nach der Wallfahrt, und signalisierte einen kurzen Gruß (glückliche Ankunft?) von „Albert“. Solche Zeitverzögerungen sind, wie Exemplare im Besitz des Vortragenden zeigen, nicht unüblich. Zum Teil mag man solche religiös konnotierten Postkarten pietätvoll aufbewahrt und später liebevoll einer Sendung beigesteckt haben; zum Teil sind aber in neuerer Zeit auch Karten als Restposten noch viele Jahre nach der Wallfahrt verkauft worden.
Die Pilger gelangten auf verschiedenen Wegen nach Trier. Noch 1810 zu Fuß, mit Pferd/Kutsche oder (vom Rhein aus) mit dem getreidelten Schiff. 1844 kam das auf der Mosel seit 1839 genutzte Dampfschiff hinzu. 1891 gab es bereits zwei Eisenbahnlinien nach Trier; außerdem war der Einsatz von Fahrrädern und frühen Automobilen möglich geworden. 1933 reisten sehr viele Pilger mit der Eisenbahn an, aber da es keinen Zivilflughafen in der Umgebung gab, kamen noch keine Flugpilger. 1959 war mit dem Luxemburger Flughafen Findel ein solcher Flughafen in der Nähe (40 km), aber weder war die Mosel für größere Boote schiffbar (erst ab 1964; die Saar erst ab 1987) noch gab es eine Autobahnverbindung nach Trier (erst 1975). 1996 dürften dann neben vielen Fußgruppen vor allem Buspilger nach Trier gekommen sein.
Ähnlichen technologischen Fortschritt sieht man bei dem Druck der Postkarten. 1891 war die Postkarte selbst schon Teil dieses Fortschritts. Die Vorlagen für die Drucke lieferten Lichtdrucke, Zeichnungen oder Letterndrucke; gedruckt wurde vor allem durch Lithographie, nämlich S/W oder koloriert. 1933 nutzten noch die Heiligrock-Künstlerpostkarten die Farblithographie, ansonsten hatte die Photographie (auch von Zeichnungen, Radierungen, sogar Metallplaketten) ihren Siegeszug angetreten, allerdings in Schwarz/Weiß.

[Abb. 35]

Während die Photographie das Erstellen einer Postkarte technisch gesehen erleichterte und beschleunigte, gab es 1933 organisatorisch gesehen auch eine neue Hürde. Die gesamte Palette der Andenken musste einer Kommission vorgelegt werden, die unter dem Vorsitz von Nikolaus Irsch (Verfasser des großen Buchs Der Dom zu Trier von 1931) stand. Bei der Besetzung der Kommission befremdet uns heute etwas der Umstand, dass dort (mindestens) ein Künstler beteiligt war (A. Nagel), der auch (sehr schöne und später als offizielle Geschenke benutzte) Andenkenentwürfe eingereicht hatte (die Entwürfe waren nicht namentlich, sondern kennnummernmäßig gezeichnet, aber sicher doch oft stilistisch zuschreibbar). Wer die strenge Juryprüfung bestanden hatte, durfte zum Beispiel auch auf die Postkarte drucken „Vom Kunstausschuß der Wallfahrtsleitung gebilligt“. Damit wurden die Andenken/Postkarten an den offiziellen Verkaufsständen angeboten (eine Karte des Trierer Kunst-Verlags Jacob Kron trägt zum Beispiel eben diese Aufschrift). Im Bistumsarchiv gibt es übrigens eine hochinteressante Sammlung der Korrespondenz zu der Arbeit des Kunstausschusses mit beigelegten Mustern – des Ausschuss war selbstbewusst genug, nicht vor ablehnenden Bescheiden zurückzuscheuen.
Eine andere (mediumsspezifische) Hürde lag für die Postkarten-Verlage, die jetzt zumeist in Trier angesiedelt waren, in der Verfügbarkeit der graphischen Vorlagen. 1933 (und 1959) erhielt ein Photograph nach Bewerbung ein Zeitfenster, um einen Tag vor der Eröffnung der Wallfahrt (23. 7. 1933 zum Beispiel) die fertiggestellte Ausstellungssituation auf Platte zu bannen, weshalb sich die Aufnahmen vieler Firmen stark ähneln. Wollte aber eine Firma schon vor der Wallfahrt Heiligrock-Postkarten verkaufen, gab es mehrere Möglichkeiten:
1) man nahm ein S/W-Photo von 1891;
2) man nahm ein S/W-Photo von 1891 und kolorierte es von Hand (erste Farbfilme hatte es schon einige Jahre vor der Wallfahrt von 1933 gegeben, aber echte Heiligrock-Farbpostkarten sind erst für 1959 bekannt – und waren damals noch selten);
3) man ließ eine Vorlage von einem Künstler farbig oder in S/W malen/radieren;
4) man nahm eine Aufnahme vom Dom-Innern von zum Beispiel 1932 und malte dort einen hl. Rock samt Schaukasten hinein;
5) man klebte ein verkleinertes Frontalbild des hl. Rocks im Schaukasten von 1891 in ein solches Photo;
6) man nahm ein vorhandenes touristisches Bild einer Trierer Sehenswürdigkeit (nicht notwendigerweise motivlich mit dem hl. Rock verknüpft) und druckte auf Vorder- oder Rückseite einen Hinweis auf die Wallfahrt auf.
Da man vorher nicht wusste, wie die Schausituation aussehen würde (1933: gefalteter Vorhang quer über die Öffnung zur Heiltumskammer zwecks Entbarockisierung des Blicks; darüber eine große Fassung des kleinen messingenen Wallfahrtsabzeichens nach dem Entwurf von Hans Adamy/Pfalzel), entlarven sich alle diese Versuche als „Fälschungen“, vor allem, wenn man sie sich hintereinander anschaut; sie scheinen sich aber, nach ihrer Häufigkeit zu urteilen, (vor allem vor Wallfahrtsbeginn?) gut verkauft zu haben.
Eine ganze Reihe von Postkarten basiert auf Photos von der Eröffnung der Wallfahrt selbst – es sind Ereignispostkarten. Eine Serie der Trierer Firma Mees-Hauser zeigt (motivlich wie technisch) sehr schöne Bilder vom Einzug der Kleriker in den Dom – die Karten sind aber extrem selten und scheinen nicht gut abgesetzt worden zu sein.

[Abb.]

Solche Postkarten hatten den Nachteil, dass sie erst einige Tage nach der Wallfahrtseröffnung (nach Aufnahme, Entwicklung, Klischee-Erstellung, Druck, Verteilung) auf dem Markt waren – einen Vorteil für diese Andenken versuchte man dadurch zu gewinnen, dass diese den Aufdruck „Echt Photo“ oder „Original-Photographie“ tragen konnten (der katholische Paulinus-Verlag hatte sich offenbar nicht an dem „Fälschungs“-Wettlauf beteiligt und machte, wie die Trierer Firma Schaar & Dathe, mit solchen Zusatzbemerkungen auf sich aufmerksam).
Hitler, dessen NSDAP bei den letzten halbwegs freien Wahlen im März 1933 in Trier mit 30,9 Prozent ein ganz enttäuschendes Ergebnis verzeichnet hatte (weshalb Hitler beim einzigen Besuch der Gegend anlässlich einer Westwall-Besichtigung sich weigerte, durch das Weichbild dieser „Pfaffenstadt“ östlich der Mosel zu fahren, sondern diese nur auf dem Weg westlich der Mosel passierte und dort auch gegen die Planung nicht übernachtete), sah in der Heiligrock-Wallfahrt eine günstige Gelegenheit, sich bei den Katholiken in einem guten Licht zu zeigen. Bischof Bornewasser, der an der gefährdeten Westgrenze natürlich anfänglich eine starke Reichsregierung begrüßte, hatte das heilige Jahr, 1900 Jahre nach Jesu Tod, mit einer Heiligrock-Ausstellung feiern wollen. Die Ankündigung des endgültigen Termins erfolgte nach Beratungen, Entschlussfassung, Textformulierung und Druck im Kirchlichen Anzeiger schließlich am 30. 1. 1933, einem Datum, das sich dem deutschen kollektiven Bewusstsein nicht als Datum der Verkündigung der Heiligrock-Wallfahrt eingegraben hat, sondern als das Datum von Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, also als erste Schritt zur „Machtergreifung“, als der Beginn eines unheiligen Jahres und eines unheilvollen zwölfjährigen Millenniums. Fast scheint es uns heute so, als ob Hitler bei den Verhandlungen um ein Konkordat mit dem Vatikan auf einen frühen Termin des Abschlusses gedrängt habe, was auch die vielen scheinbaren Konzessionen erklären könnte, die nachher doch gebrochen wurden. Das Konkordat wurde am 20. 7. unterzeichnet, drei Tage vor dem Beginn der Trierer Wallfahrt. Die katholischen St. Georgs-Pfadfinder waren von langer Hand als Pilgerbetreuer eingeplant und auch bei Wallfahrtsbeginn eingesetzt worden, aber nach Organisationsschwierigkeiten mit den vielfach ortsfremden Pfadfindern in der ersten Nacht wurden diese schlagartig durch die Hitler-Jugend ersetzt, und die SA übernahm den Ordnungsdienst auf dem Domfreihof – alles Annäherungsversuche gegen den Hintergrund des hofnungsinspirierenden Konkordats. Natürlich haben die neuen Machthaber durch die Auswahl der freigegebenen Pressebilder den öffentlichen Eindruck zu lenken versucht, wie zum Beispiel dieses Bild von den scheinbar freundlichen und harmlosen Hakenkreuz-Trägern an einem Andenken-Verkaufsstand zeigt:

[Abb. 1]

Aber selbst die Postkarten lassen die lastende Gefahr zumindest im besserwissenden Rückblick erahnen, wenn sie auf der Rückseite den Sonderstempel „Luftschutz/ist nationale Pflicht/Werdet Mitglied im/Reichsluftschutzbund“ tragen (Stempel 2. 9. 1933, also abgeschickt einen Tag vor der Schlussfeier).
1959 hatte die Photographie die Deutungshoheit erobert, auch wenn zum Teil alte Photos von 1891 retouchiert als Postkarte 1933 sowie 1959 und als Restpostkarten noch viel später verkauft wurden (Thomassin, Trier aus den aufgekauften Rechten der Trierer Firma Niko Haas: 1891 photographiert; 1933 gedruckt; am 18. 8., zufälligerweise am Festtag der hl. Helena, 1994 nach Kauf verschickt). Neben Farbphotos und 3-D-Postkarten auf der Basis der 1891er Aufnahme glänzten jetzt auch Alu-Drucke (PALUFOL-Karten; „genehmigt durch die Wallfahrtsleitung“, Oppermann, Trier):

[Abb. 59]

So wie hier sehr effektvoll auf der zum Teil als Hintergrund leuchtenden Alufolie gedruckt wurde, hat man, so Dr. Franz Ronig, schon in der Barockzeit auf Silber als sehr günstigen Farbträger gemalt, wie ja auch Malereien auf poliertem Marmor und geschliffenem Elfenbein sehr dauerhaft waren.
Zwischen 1933 und 1959 stand oft nicht mehr der hl. Rock im Mittelpunkt, sondern war dieser, theologisch korrekt, nur noch Zusatz zu einem die Person Christi vertretenden Kreuz, Chi Rho, Strahlenkranz geworden, zeichenhafter, fast ein wenig protestantischer.
1996 stand zumeist wieder der hl. Rock im Mittelpunkt, aber jetzt oft ohne theologische Interpretation, ohne Ablass-Hinweise, ohne haltende Heilige usw., sondern, farbig und photographisch perfekt, wie eine archäologische Aufnahme, parallel zu der sachlichen (erstmals, konservatorisch richtig, liegenden) Ausstellung im minimalistischen Schrein (anders als 2012, wo das navis-Behältnis auf domeigenem Zedernholz auf Kirchenschiff und Pilgerfahrt deutet und einen beziehungsreichen Dialog mit der Reliquie anstößt).
Dem seien, als Gegenbilder, zwei wortorientierte, logos-basierte (offizielles Wallfahrtsmotiv, in allen Zeilen und in drei Richtungen, auch christozentrisch und inkludierend, lesbar; dazu ein eher gottesvolkzentriertes aus Menschen und Lücken):

[Abb. 65] [Abb. 64]

Die Postkarte als Medium offenbart also technischen Fortschritt, theologischen Wandel, politische Andeutungen, Geschmacksveränderungen, Verkaufsstrategien, Erwartungshaltung usw.
Große Bedeutungsfülle auf kleinem Bildträger in einem Meer von Weiß der Albumsblätter.