13.05.2013

Gemalter Luxus – Das berühmteste Stundenbuch aus dem Mittelalter „Très Riches Heures du Duc de Berry“ vorgestellt

Die „Très Riches Heures du Duc de Berry“, ein spätmittelalterliches Stundenbuch , stellte der Trierer Kunsthistoriker Dr. Michael Friedrich bei der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier vor. Ein Stundenbuch ist ein Gebetbuch für Laien, mit Marien- und Totengebeten zur persönlichen Andacht und prunkvollen Außendarstellung, das bis zur Erfindung des Buchdrucks von Hand geschrieben und teilweise mit prächtigen Buchmalereien ausgeschmückt wurde. Dementsprechend waren diese Bücher sehr teuer und nur für vermögende Adlige erschwinglich. Das besprochene Werk aus kostbaren gegerbten Kalbshäuten mit seinen 66 ganzseitigen Buchmalereien gilt als die wertvollste und schönste uns überlieferte Handschrift jener Zeit. Die flämischen Brüder Limburg malten sensationelle Abbildungen ab 1411 bis 1416 im Auftrag des Herzogs Johann von Berry zu dessen Andacht und höfischer Präsentation. Er war der dritte Sohn des französischen Königs Johanns II. und zeitweiliger Regent des französischen Königsreichs. Bis heute ist der Herzog von Berry als energischer Machtpolitiker und Bauherr bekannt, der aber als kunstsinniger Mäzen schöne Kunstwerke schätzte und sammelte. Karl I. von Savoyen schließlich ließ die Handschrift von 1485 bis 1489 fertig malen.

Sensationell sind die Kalenderbilder aus dem Heiligenkalender zum Beginn des Stundenbuchs, da sie zum ersten Mal den damals neuen Anspruch des beginnenden Humanismus und der Renaissance bildlich ausdrückten: Erstmalig in der europäischen Kunstgeschichte findet sich das lebensechte Porträt eines Adligen, Landschaftsmalereien und Hell-Dunkel-Kontrast in einem Buch. Vollkommen neu ist aber auch die erste Darstellung der adligen Jagd in derart lebendiger Weise und des Schwimmens als Freizeitaktivitäten. Unendlich wertvoll sind die wirklichkeitsgetreuen Malereien der Schlösser und Paläste auf den Kalenderblättern, da die Architektur mancher Bauwerke nur durch dieses Stundenbuch überliefert ist. Die bäuerliche Welt ist jedoch geschönt abgebildet. Die Schrecken des Krieges und der Seuchen werden natürlich nicht in den Kalenderbildern thematisiert.

23.09.2013

Den Nerv getroffen!

Auf Einladung der Bibliothek des Priesterseminars Trier und der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS referierte die Trierer Kunsthistorikerin Kathrin Baumeister über Klees, Unolds und Kubins Illustrationen zu Voltaires Roman Candide ou l‘ Optisme in der Bibliothek des Priesterseminars Trier.

Der französische Philosoph Voltaire traf mit seinem aufklärerischen Roman „Candide ou l‘ optimisme“ den Nerv der Zeit. Darin wird unter anderem die Frage der Existenz eines gütigen Gottes in Frage gestellt. Die erste Veröffentlichung 1759 war ein europäisches Medienereignis ersten Ranges. Freizügigkeit und vermeintliche Kritik am Christentum im Allgemeinen und der Monarchie im Besonderen bedeuteten das Verbot in Deutschland. Auch der Vatikan setzte das Werk auf den Index. Doch 1778 erschien eine neue deutsche Übersetzung. Neben der überarbeiteten Übersetzung trugen maßgeblich die Zeichnungen des Künstlers Chodowiecki zu einer gelasseneren Aufnahme des Romans bei. Nicht mehr die deutschen Themen, sondern allgemeine Missstände wie Adelshochmut und Amtsmissbrauch, wurden angeprangert.

Die Illustrationen von deutschen Künstlern zum Roman entstanden am Anfang des 20. Jahrhunderts und lassen teilweise den Ersten Weltkrieg erahnen. Gleichzeitig nehmen sie sich der Grundforderung von Voltaire nach emanzipierten und unabhängigen Menschen auf.

Anhand der vielen Einflüsse, die eine Analyse der Illustrationen zu Tage bringt, ist zu erkennen, wie intensiv sich die Künstler mit dem Thema, auch theoretisch, beschäftigt haben. Außerdem haben sie für ihr Leben einen Gewinn darin gesehen, so schrieb Klee in sein Tagebuch, dass er über das Studium des Candide sogar sein "eigenes Ich" wiederfand.

11.10.2013

Klostermedizin von Hildegard bis heute

Auf Einladung der Bibliothek des Priesterseminars Trier und der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS sprach der Bonner Theologe und Botaniker Dr. Hermann Josef Roth über das Thema „Klostermedizin von Hildegard bis heute: Rheinischer Beitrag – Kritische Würdigung“.

Fürsorge um die Kranken und deren Pflege ist ein urchristliches Anliegen, seit Jesus sie heilte. Diese Aufgabe gehörte auch im Mittelalter zu den wichtigen Tätigkeiten im Kloster. Bereits die Ordensregel des heiligen Benedikt von Nursia, des Vaters des europäischen Mönchtums, verpflichtete einen Abt oder eine Äbtissin zum Dienst an den Kranken und Schwachen. Folglich waren die Klöster nicht nur wichtige Orte der Kulturtradition, der Forschung und Lehre, sondern auch der Ursprung einer „ganzheitlichen Medizin“.

Diesen Behandlungsansatz setzten die Nonnen und Mönche mit eigenen Krankenhäusern und einer Arzneiherstellung aus Heilpflanzen um. Die heilige Hildegard von Bingen kannte, schätzte und förderte umsichtig diese „echte Klostermedizin“ in Eibingen und auf dem Rupertsberg. Sie hatte ein Herz für Kranke und Schwache, weil sie selbst ärztliche Hilfe benötigte. Medizinische Schriften wie die „Physica“ verfasste sie wohl kaum selbst; sie wurden ihr zugeschrieben.

Auch die „Hildegard-Medizin“ mit ihren vielen Erzeugnissen ist eine Erfindung des 20. Jahrhunderts und steht in keiner Verbindung zur historischen Hildegard. Doch die „Klostermedizin“ blieb mit Hildegard nicht stehen. Vielmehr wandelte sie sich durch die „Schulmedizin“ an den neuen Universitäten Europas zu einer „Medizin im Kloster“. Dabei blieb sie für neue Entwicklungen von außen sehr offen. Der Fortschritt der Schulmedizin und das heilkundliche Wissen der Naturvölker aus der „neuen Welt“ fanden ihren Weg zurück zu ihrem klösterlichen Ursprung. Dort wurden die neuen Erkenntnisse nach sorgfältiger Prüfung wieder in der Praxis angewendet und stetig fortentwickelt.

18.10.2014

Vortrag zu Grafiken Max Klingers über „Amor und Psyche“

Über „Das spätantike Märchen von Amor und Psyche, dargestellt am graphischen Zyklus V von Max Klinger“ referierte Dr. Richard Hüttel auf Einladung der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS in der Bibliothek des Priesterseminars Trier.
Der Referent stellte mit dem Märchen „Amor und Psyche“ des römischen Dichters Lucius Apuleius (um 125 – um 180 n. Chr.) eine der wichtigsten literarischen Vorlagen der bildenden Kunst vor. Die 46 Radierungen aus dem Jahr 1880 behandeln die Liebe der Psyche zum antiken Liebesgott Amor und der damit verbundenen Leiden vor dem Hintergrund der damaligen Geschlechterdiskussion. Trotz mancher Schwierigkeit endet die mythologische Liebesgeschichte glücklich mit dem Happyend der Hochzeit.

Der Leipziger Grafiker Max Klinger (1857-1920) interessierte sich für die Beschaffenheit der Seele, für das zeitlos aktuelle Verhältnis der Geschlechter zueinander und deren psychologische Erforschung. Diese Aspekte thematisierte der Künstler geschickt in seinem graphischen Zyklus. Mit dieser „modernen“ Auseinandersetzung wurde er außerdem zum Vorbild der nachfolgenden Künstlergeneration, z. B. für Edvard Munk, Käthe Kollwitz und Oskar Kokoschka. Zu Beginn seines Vortrags skizzierte Hüttel den Inhalt des römischen Romans „Metamorphosen“ oder auch „Goldesel“ genannt, in den dieses Märchen eingefügt ist: die Verwandlung der Hauptfigur Lucius in einen Esel und dessen Abenteuer. Die Rezeptionsgeschichte des Märchens von Amor und Psyche vor allem anhand des Beispiels des graphischen Zyklus V von der Antike bis in die Neuzeit in der Bildenden Kunst schloss sich an.

Pressemitteilung der Bibliothek des Priesterseminars zum Vortrag „Die Bedeutung des gedruckten und gemalten Bildes in der Verbreitung des Josefskults in der Zeit der Gegenreformation“ in der Bibliothek des Priesterseminars Trier am 19. November 2013


Über „Die Bedeutung des gedruckten und gemalten Bildes in der Verbreitung des Josefskults in der Zeit der Gegenreformation“ referiert Frau Dr. Barabara Mikuda-Hüttel aus Scharfbillig am Dienstag, dem 19. November, um 19 Uhr, im Historischen Lesesaal der Bibliothek des Priesterseminars Trier. Die Vortragende thematisiert die Darstellung des heiligen Josef in der Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts.
Seit Beginn des 17. Jahrhunderts wurde aus dem greisen Josef ein Mann mittleren Alters mit christusähnlichen Zügen, dessen Bildnis jeder katholische Christ in seinem Gebetbuch oder Wohnraum aufbewahren sollte. Dem Wandel der bildnerischen Beschreibung, den damit verbundenen neuen oder neu formulierten Motiven geht der Vortrag ebenso nach wie den Ursachen des Wandels.
Veranstalter des Vortrags sind die Bibliothek des Priesterseminars Trier, die Bibliophile Gesellschaft Trier PRO LIBRIS sowie die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Trier, Fachstelle Trier. Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Im Anschluss laden die Veranstalter zu einem Empfang ein.