23.01.2014

Ewig gültige Heilbotschaft der heiligen Hildegard: Visionen aus dem Scivias erschloss Dr. Hildegard Bogerts in einer Katechese in der Bibliothek des Priesterseminars Trier


Auf Einladung der Bibliothek des Priesterseminars Trier und unter Mitwirkung der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS sprach die Trierer Religionspädagogin Dr. Hildegard Bogerts in ihrem Vortrag „Die Sehnsucht des Menschen nach Geborgenheit – eine Vision der heiligen Hildegard für heute erschlossen“ vor zahlreichen Zuhörer/innen im historischen Lesesaal der Bibliothek.

Die heilige Hildegard von Bingen war mehr als nur eine heilpflanzenkundige Äbtissin. Die Visionen aus ihrem bekannten Hauptwerk „Scivias“ (auf Deutsch: „Wisse die Wege“) vermitteln uns eine noch heute wirkmächtige Heilsbotschaft:

Die Mensch-Kosmos-Vision präsentiert den zeitlos frei entscheidenden Menschen bei dessen grenzenloser Erkenntnissuche. Diese Darstellung hinterfragt gerade jetzt kritisch unseren modernen Forschungsdrang und mahnt uns heutige Menschen zu einer nachhaltigen Nutzung und Bewahrung der Schöpfung. Denn diese ist uns „nur“ in der Verbindung Natur – Mensch – Schöpfer anvertraut. Der Mensch gilt Hildegard als Gipfel der Schöpfung und ist somit auch ein „strategischer Ansatz“ für Luzifer, den gefallenen Engel. Dessen Absicht ist noch heute, Gottes Plan durch die Förderung der Eigenmächtigkeit des Menschen und dessen Lügen zu durchkreuzen. Aber selbst wenn sich der Mensch im Mittelpunkt wähnt, verstrickt er sich und benötigt doch seinen Erlöser. Die persönliche und strukturelle Sünde sieht Hildegard dabei als eine Ursache für die Bedrohung des Menschen an. Trotz der Erschlaffung und Versuchung durch Luzifer ergießt sich die zärtliche Liebe in Form goldener Kugeln von Gott in Gestalt eines goldenen Quadrates auf den Menschen.

Eine weitere Vision stellt einen Menschen in der Kelter dar: Diese Präsentation vermittelt uns heutigen Menschen die Einsicht, dass wir in der Kelter des Kapitalismus uns nicht auspressen (lassen) sollen. In einer anderen Illustration ruft die Seele nach ihrer Mutter in einer Höhle. Mehrere Abbildungen thematisieren auch die Gewalt und die Gefahren, denen die Seele durch Gott beflügelt entkommt. Der eiserne Turm in einer anderen Illustration symbolisiert somit den Schutz vor den sündhaften Verlockungen und Versuchungen, denen der Mensch immerzu ausgesetzt ist. In der Vision der Zeitalter steht die Liebe im Mittelpunkt, die die Kraft Jesu Christi symbolisiert und für den Menschen offen ist.





21.02.2014

Vortrag von Prof Dr. Michael Embach beschließt die Ausstellung „Die hl. Hildegard von Bingen und ihre Beziehungen zu Trier“ in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier.

Der durch viele Veröffentlichungen zum Thema ausgewiesene Direktor der Stadtbibliothek Trier sprach auf Einladung der Bibliothek des Priesterseminars Trier vor zahlreichen Besucherinnen und Besuchern über „Hildegard von Bingen – das Bild der Autorin und ihre Beziehungen zu Trier“.

Zum Selbstverständnis Hildegards als benediktinische Schriftstellerin gehörte zweifelsohne ihre von Papst Eugen III. auf der Trierer Provinzialsynode 1147 / 1148 bestätige Sehergabe, die die „Initialzündung“ für ihre Schriften darstellte. Gerade diese Selbstwahrnehmung können wir bis heute in der Miniatur ihres Porträts in ihrem ersten Werk „Scivias“ (zu Deutsch: „Wisse die Wege“) gut erkennen: Tempelartige Architektur, Schreibgerät und Ordenstracht weisen sie als vom höchstem kirchlichem Lehramt offiziell beauftragte Autorin aus. Die Feuerzungen sind ein Symbol für den heiligen Geist, der sie zur Niederschrift des von Gott Geschauten inspirierte. Ihre Aufgabe ist folglich die Verkündigung der göttlichen Botschaft aus ihren Visionen in der Welt. So wollte sie gesehen und der Nachwelt überliefert werden, vergleichbar den Aussagen auf einer heutigen Visitenkarte. Denn dieser illuminierte Prachtkodex entstand noch zu ihren Lebzeiten und unter ihrer programmatischen Mitwirkung. Zudem legt Hildegard in der Einleitung ausdrücklich die Beweggründe für ihre Schriftstellerei dar.

Für die Niederschrift und Verkündigung ihrer Visionen ist die Stadt Trier sehr wichtig. Denn hier wurde nicht nur ihre prophetische Gabe offiziell anerkannt. Um das Jahr 1160 kam die heilige Hildegard sogar selbst nach Trier, um eine damals vielbeachtete lehrhafte Rede zu halten. Nach dem Tod ihres Sekretärs Volmar half ihr der Trierer Abt Ludwig bei der Vollendung ihrer dritten Visionsschrift, indem er ihr Mönche als Sekretäre schickte. Außerdem schrieben die Mönche Theofried von Echternach und Gottfried ihre Lebensgeschichte nieder. Aufgrund dieser engen Beziehungen zu Trier überrascht es auch nicht, dass 16 bedeutende Fassungen von Schriften Hildegards in den Trierer Klöstern und Bibliotheken gesammelt und bis heute aufbewahrt wurden, darunter zwei Handschriften in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars. Der in der Ausstellung gezeigten Handschrift 68 mit dem „Buch der Lebensverdienste“ kommt fast der Rang eines Originals zu, sie kann als eine „Berührungsreliquie“ gelten.

Pressemitteilung der Bibliothek des Priesterseminars Trier zum Vortrag am 25. März 2014

Über Handschriftenschätze Heinrichs II. in der Staatsbibliothek Bamberg referiert Herr Prof. Dr. Werner Taegert, Direktor der Staatsbibliothek Bamberg, am Dienstag, 25. März 2014, um 18.00 Uhr im historischen Lesesaal der Bibliothek des Priesterseminars.

Der Vortrag bietet Streifzüge durch faszinierende Bücherwelten der weltweit einzigen kaiserlichen Bibliothek des Mittelalters, die weitgehend geschlossen und am ursprünglichen Ort erhalten geblieben ist. Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde stifteten der Dombibliothek Bamberg und dem Stift St. Stephan diese hochkarätige Handschriftensammlung, beginnend bei der Gründung des Erzbistums Bamberg im Jahre 1007. Heute machen die Bücher den Rang der Staatsbibliothek Bamberg als international renommierte Forschungsbibliothek aus: Die UNESCO nahm bereits 2003 aus diesem Bestand u. a. die berühmte Bamberger Apokalypse aus der Reichenauer Malschule und das Lorscher Arzneibuch in das „Weltdokumentenerbe“ auf.


* Abbildung "Herrscherbild aus der Bamberger Apokalypse". Quellenangabe: Staatsbibliothek Bamberg, Gerald Raab

20. Mai 2014

Pressebericht der Bibliothek des Priesterseminars Trier zum Vortrag
am 20. Mai 2014


Wichtige Handschrift von 1759 in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars vorgestellt – Dank an Franz Ronig anlässlich seines 60-jährigen Priesterjubiläums

Am 20. Mai konnte die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier eine neu erworbene liturgische Handschrift aus dem 18. Jahrhundert in einem kleinen Festakt vorstellen. Das Buch war der Bibliothek durch ein weithin bekanntes und renommiertes Trierer Antiquariat vermittelt worden. Die historische Einführung übernahm der an diesem Tag zum Monsignore ernannte Trierer Liturgiewissenschaftler Prof. Dr. Andreas Heinz. Es handelt sich um ein „Processionale“ aus dem Marienstift Pfalzel bei Trier. Der dortige Dekan Johann Ulrich Miltz (1713–1772) ließ dieses Ritualbuch (Agende) speziell für die liturgische Gestaltung der Prozessionen schreiben.

Die erstaunlich spät verfasste Handschrift kann als „ein Glücksfall“ (Andreas Heinz) für die Erforschung des Gottesdienstes im Trierer Land gelten. Denn sie bezeugt zweifelsohne ein eigenständiges Brauchtum in der hiesigen Liturgie. Damit widerlegte der wohl beste Kenner der Trierer Liturgiegeschichte die landläufige Auffassung von der schnellen und flächendeckenden Verbreitung der nach dem Konzil von Trient im 16. Jahrhundert vorgeschriebenen Einheitsliturgie: Erst Bischof Felix Korum vereinheitlichte 1888 im letzten Schritt die Tridentinische Reform im Bistum Trier. So entstand vor dem Publikum ein etwas bunteres Bild von der alten Liturgie, die eine im Freien und im Kirchenraum „bewegte“ Liturgie war.

Die Vorstellung des Werkes bot der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars die willkommene Gelegenheit, in Gegenwart namhafter Vertreter kirchlicher und kultureller Einrichtungen an das kürzlich gefeierte 60-jährige Priesterjubiläum ihres langjährigen Förderers Franz Ronig zu erinnern. Denn der weit über das Bistum Trier hinaus bekannte Gelehrte und Kustos des Trierer Domschatzes ist als vormaliger Vorsitzender der Bibliophilen Gesellschaft PRO LIBRIS Trier ein Freund des „schönen Buches“ und ein steter Förderer der Buch- und Lesekultur. Als Kunsthistoriker und Theologe sieht er das Lesen als „Sammeln immaterieller Schätze, die Aneignung geistiger Reichtümer“, wie Hans-Joachim Cristea, Direktor der Bibliothek, es in seiner Würdigung des Jubilars zum Ausdruck brachte.

Als Dank und Anerkennung seiner Leistungen und Verdienste widmet die Bibliothek des Priesterseminars ihm eine kleine Ausstellung unter der Überschrift „Quae sursum sunt quaerite – Suchet, was droben ist: Buchmalerei und Frömmigkeit des Mittelalters im Werk von Franz Ronig“. Die Ausstellung kann vom 20. Mai bis 12. Juni zu den üblichen Öffnungszeiten der Bibliothek in der Ausleihe bei freiem Eintritt besucht werden. Führungen sind nach vorheriger Anmeldung möglich.

Prof. Dr. Andreas Heinz

24.9.2014

Mailand oder Augsburg – Hauptsache Italien!
Vortrag von Dr. des. Stefan Heinz in der Bibliothek des Priesterseminars Trier zu den graphischen Vorlagen in der Trierer Bildhauerei der Spätgotik und der Renaissance

In Anspielung auf ein bekanntes Fußballerzitat von Andy Möller („Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien“) referierte Stefan Heinz (Universität Trier) in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier über „Graphische Vorlagen in der Trierer Bildhauerei der Spätgotik und der Renaissance“.
Auch die kreativsten Künstler des Spätmittelalters griffen gerne auf gedrucktes Vorlagenmaterial zurück: Maler, Goldschmiede, Teppichwirker, Bronzegießer und nicht zuletzt Bildschnitzer profitierten europaweit von dem neuen Medium. Es lieferte Vorbilder für szenische Darstellungen, und phantasievolle Ornamente. Zudem war es preisgünstig und transportabel. Besonders die südalpinen Bildideen der aufkeimenden Renaissance konnten so schnell und einfach vermittelt werden.
Der Vortrag zeigte anhand von Beispielen der Trierer Kunst um 1500 auf, wie dieser Transfer vom papiernen Vorlagenmaterial zur steinernen Skulptur funktionierte, welche Graphiken man bevorzugte und woher die einzelnen Blätter stammen.
Im Zentrum der Ausführungen stand dabei der Grabaltar des Trierer Erzbischofs Richard von Greiffenklau, der 1525 errichtet worden war. Dieses hochbedeutende Monument im Trierer Dom gilt als eines der ersten Renaissance-Denkmäler Deutschlands. Denn dessen zahlreiche Reliefs mit Grotesken-Ornamenten sind nahezu vollständig aus druckgraphischen Musterstichen abzuleiten, die in Italien nach antiken Vorbildern entstanden sind. Dabei hat man versucht, hauptsächlich original italienische Druckgraphiken zu erhalten. Da dies in Trier aber nur eingeschränkt möglich war, musste man ergänzend auf Augsburger Nachstiche zurückgreifen, weil diese den italienischen Originalen am nächsten kamen.
Die Auswahl nach dem Motto „Hauptsache Italien“ ist allerdings kein reiner Selbstzweck, sondern programmatisch zu verstehen. Sie sollte den Auftraggeber in ein besonderes Licht rücken: Richard von Greiffenklau wollte sich als weltgewandter und humanistisch gebildeter Kurfürst verstanden wissen, der zugleich ein Förderer der Künste war.

Pressebericht der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier vom 12.11.2014

Erzbischof Egbert und der „Naumburger Meister“

Vortrag des Landeshistorikers Prof. Dr. Wolfgang Schmid zu den Spuren einer mittelalterlichen Bildhauerwerkstatt im Rheinland und Naumburg auf Einladung der Bibliothek des Priesterseminars Trier und der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS.

Mit dem aus dem Mainzer Dom stammenden Bassenheimer Reiter besitzt unsere Region eines der bedeutendsten Werke mittelalterlicher Skulptur. Dieses Relief von einem heute nicht mehr erhaltenen Lettner stellte ein namentlich nicht bekannter Bildhauer her. Seine künstlerische Ausbildung erhielt er in Reims, bevor er über Mainz an die Saale zog. Hier schuf er um 1250 die berühmten zwölf Naumburger Stifterbilder. Der Referent ging der Frage nach, ob sich der Bildhauer längere Zeit im Rheinland aufgehalten hat. Hier könnte der „Naumburger Meister“ eine ganze Reihe von Kunstwerken studiert und sich Anregungen für seine Stifterbilder geholt haben.

Die Spurensuche begann in Trier, wo Erzbischof Egbert im 10. Jahrhundert auf Werken der Buchmalerei und in der Schatzkunst Bischofsreihen darstellen ließ. Über die „Goldenen Bücher“ der heute aufgelösten Klöster Maximin und Prüm führte die Reise nach Aachen, wo am Karlsschrein goldene Figuren von 16 römischen Königen angebracht sind. Wenige Jahre später wurden in der Trierer Abtei St. Matthias und in der Abtei Mettlach Staurotheken, goldene Behälter für Kreuzreliquien, in Auftrag gegeben. Auf deren Rückseiten sind jeweils zwei Reihen mit Heiligen, Bischöfen und Stiftern dargestellt. In der Abtei Maria Laach schließlich gab es nicht nur das Stiftergrab des Pfalzgrafen Heinrich, sondern auch Teppiche mit Darstellungen der Wohltäter.

Bei dieser spannenden Rundreise durch die rheinischen Schatzkammern erfuhren die Zuhörer auch neue Gesichtspunkte für die Deutung der immer noch rätselhaften Naumburger Stifterbilder.

„50 Jahre Jesuitenstraße 13“

In einem Festakt beging die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier die 50. Wiederkehr des Tages, an dem Bischof Matthias Wehr (1892-1967) die neuen Räume des Priesterseminars einschließlich der Theologischen Fakultät feierlich eingesegnet hat.

Regens Msgr. Michael Becker skizzierte in seinem Grußwort die wechselvolle Geschichte des Gebäudekomplexes des heutigen Trierer Priesterseminars. Die Frage nach der Nutzung der im Zweiten Weltkrieg sehr stark beschädigten Gebäude war nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Gegenstand einer heftigen, auch in der lokalen Presse ausgetragenen Auseinandersetzung. Einerseits engagierte sich der Verein der Ehemaligen des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums sehr stark für einen Wiedereinzug. Anderseits stand auch Bischof Wehr dem Kauf der Gebäude für das Priesterseminar skeptisch gegenüber. „Dennoch wurde im Frühjahr 1958 der Kaufvertrag geschlossen“ resümierte Regens Becker diesen Abschnitt der Trierer Bibliotheksgeschichte. Das Priesterseminar Trier übernahm damit die Räume des alten Jesuitenkollegs, in dem fast 400 Jahre das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium und seine Vorgängereinrichtungen ihren traditionsreichen Sitz hatten. Die Bibliothek des Priesterseminars kann seitdem den historischen Bibliothekssaal nutzen, in dem 150 Jahre lang die Stadtbibliothek Trier angesiedelt war. Die Planung der neuen Magazine und der ab September 1960 folgende Umzug von über 120.000 Bänden stellten für den Direktor der Seminarbibliothek Hermann Ries eine große logistische Herausforderung dar. Ab dem Jahr 1960 nahm die Bibliothek mit dem Einbau der selbsttragenden Regalanlagen Gestalt an. Ab September 1964 wurde der Lesesaal eingeräumt.

Im Rahmen der Einweihungsfeier erfolgte am 12. Dezember 1964 auch die feierliche Promotion von Prof. Dr. Heribert Schützeichel, dem langjährigen Ordinarius für Fundamentaltheologie an der Theologischen Fakultät Trier. Regens Becker gratulierte dem als Ehrengast bei der Feier Anwesenden zu seiner Goldenen Promotion.

Der Direktor der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier, Dr. Hans-Joachim Cristea, zeichnete anschließend ein lebendiges Bild des früheren Bibliotheksdirektors Hermann Ries (1905-1969), einer auch menschlich besonders beeindruckenden Priesterpersönlichkeit. Ries war 40 Jahre als Bibliothekar des Priesterseminars tätig und baute die Bibliothek zu einer wissenschaftlichen Informationseinrichtung aus, die ganz auf der Höhe ihrer Zeit stand. Ein Beispiel seines strategischen Denkens ist die modern anmutende Entscheidung für die Einrichtung einer Diözesanbibliothek, die alle für das Bistum relevante Literatur sammeln und außerdem als bio-bibliographische Informationsstelle für die Geistlichen des Bistums Trier dienen sollte. Ein besonderes Verdienst erwarb sich Ries während des Zweiten Weltkriegs 1939-1945 durch die rechtzeitige Sicherung der Bestände, besonders der wertvollen Handschriften und frühen Drucke. Während der Zeit der schlimmsten Bombenangriffe in der fast vollständig evakuierten Stadt harrte Ries am Jahresende 1944 mit wenigen anderen im Keller des Seminars aus und bewachte die Gebäude und das Inventar. In Gegenwart von Angehörigen der Familie Ries, darunter der emeritierte Domkapitular Prälat Roland Ries als einer seiner Neffen, sowie weiterer Priester, die als Seminaristen das selbstlose Engagement des langjährigen Bibliotheksdirektors erlebt haben, erinnerte Cristea anhand von Fotos und Briefen an wichtige Lebensstationen von Hermann Ries.

Den Festvortrag mit dem Thema Architektonische Spuren einer Bibliothek des 4. Jahrhunderts in Trier“ hielt Prof. Dr. Franz Ronig, Kustos des Domschatzes der Hohen Domkirche Trier. Der Referent hob einleitend hervor, dass auch er während seines gesamten Theologiestudiums die außerordentliche Hilfsbereitschaft von Hermann Ries erfahren durfte.

Ronig ging erstmals in einem öffentlichen Vortrag auf die Suche nach den architektonischen Spuren einer spätantiken Bibliothek in Trier. Die Hinweise sind zwar an prominenter Stelle spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts sichtbar, nämlich an der Nordseite des Doms (Windstraße), wurden aber bisher weder als Reste einer Bibliothek gedeutet noch in der Geschichte antiker Bibliotheksbauten berücksichtigt. Der Vortragende gab im ersten Teil einen Überblick über die verschiedenen Typen antiker Bibliotheksbauten im Mittelmeerraum. Sowohl durch Ausgrabungen als auch durch Darstellungen in der Kunst der Spätantike und des Frühmittelalters haben wir sehr genaue Vorstellungen davon, wie Schriftrollen und Kodizes in der griechisch-römischen Antike in öffentlich zugänglichen Bibliotheken aufbewahrt wurden. Ronig konnte eindrucksvoll zeigen, dass die fensterartigen Nischen an der Domnordseite (siehe Rekonstruktionsabbildung) im Inneren eines heute nicht mehr existenten sakristeiartigen Raumes (Pastophorie) lagen und der Aufbewahrung von Büchern dienten. Vor diesen Nischen waren vermutlich wie üblich hölzerne Schrankfassaden mit verschließbaren Türen angebracht. Ein Gegenstück befand sich, wie Spuren im Kreuzgang zeigen, auf der Südseite des Doms. Die dort aufbewahrten Bücher dienten vor allem liturgischen Zwecken. Der Referent machte außerdem darauf aufmerksam, dass der Begriff „bibliotheca“ in der christlichen Antike und im Mittelalter auch für die Gesamtheit aller 78 einzelnen Bücher der Heiligen Schrift verwendet wurde. Kodizes, die alle biblischen Bücher zusammen in einem Band enthielten, waren im frühen und hohen Mittelalter noch selten anzutreffen. Neben den Bibeltexten dürfte man, gerade in einer Kathedrale wie der Trierischen, auch eine größere Zahl von Kommentaren der antiken Kirchenväter erwarten.

Die kleine Reihe zur Trierer Bibliotheksgeschichte wird fortgesetzt mit Vorträgen von Prof. Dr. Gunther Franz („Die Bibliotheken des Trierer Jesuitenkollegs und der Universität – Vier Jahrhunderte in den Räumen des heutigen Priesterseminars“) am 20. Januar und von Martina Wallner M. A. („Hermann Ries: Ein Chronist seiner Zeit - oder das geteilte Gemälde des Bischofs Korum“) am 19. Februar, jeweils um 18 Uhr in der Bibliothek des Priesterseminars Trier.