Presseberichte 2010

Das Goldene Evangelienbuch des Mainzer Doms vorgestellt

Der Bonner Kunsthistoriker Professor Harald Wolter-von dem Knesebeck hielt vor zahlreichen Zuhörern einen Vortrag über das Goldene Mainzer Evangeliar aus der Aschaffenburger Hofbibliothek in der Bibliothek des Priesterseminars Trier. Anlass dieses Vortrags war, dass das Faksimile dieser reich ausgestatteten Handschrift erschienen ist.


Dieses Prachtevangeliar entstand gegen Mitte des 13. Jahrhunderts in Mainz und war für die Liturgie des Doms bestimmt. Die künstlerische Ausstattung bringt die Evangelientexte mit Bildern in einen engen Zusammenhang, der über eine einfache Illustration hinausgeht. Als ein besonders hervorragendes Bespiel diente das Bild von der Bergpredigt. Es zeigt Christus in seiner gott-menschlichen Hoheit. Das Evangeliar bezeugt eine hohe Wertschätzung vor dem biblischen Wort. Seine Repräsentationsaufgabe erfüllte dieses Messbuch am Hauptaltar im Mainzer Dom an Hochfesten oder zu besonderen Anlässen wie Königskrönungen und Bischofsweihen. Es greift auf ältere Vorbilder aus dem 10. und 11. Jahrhundert zurück, präsentiert sie aber im „modernen“ Gewand des 13. Jahrhunderts.


Pressebericht der Bibliothek des Priesterseminars Trier zum Vortrag am 20. April 2010

Bibliophile Kinderüberraschung

Nina Hahnel (Deutsches Zeitungsmuseum, Wadgassen) sprach über die christliche Kinderpresse vom 19. Jahrhundert bis heute


Die Medien- und Kulturwissenschaftlerin Nina Hahnel vom Deutschen Zeitungsmuseum in Wadgassen hat in der Bibliothek des Priesterseminars Trier die christliche Kinderpresse in Deutschland seit dem 19. Jahrhundert vorgestellt.

Erst seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert entstanden auch Kinder- und Jugendzeitschriften, wie 1772 das „Leipziger Wochenblatt für Kinder“. Bereits diese ersten Jugendformate unterhielten ihre Leserschaft durch kurzweilige Geschichten und Rätsel. Sie vermittelten aber auch christlich-moralische Werte.

Schon im 19. Jahrhundert wirkten diese leserorientierten Zeitschriften sehr modern. Sie richteten sich an bestimmte Altersstufen. Die Jungenzeitschrift „Der gute Kamerad“ erschien sogar bis weit ins 20. Jahrhundert.

Die katholischen Jugendverbände folgten mit ihren Verbandszeitschriften diesem Trend.

Das NS-Regime verbot 1938 die katholischen Jugendverbände und ihre Zeitschriften. Die Westalliierten erlaubten nach 1945 wieder katholische Jugendzeitschriften.

Die zielgruppenorientierten Angebote wurden aber ab 1960 mangels Nachfrage eingestellt und zu einigen wenigen Jugendmagazinen zusammengefasst.


Die Mariensäule am Markusberg – Ein Trierer Wahrzeichen neu interpretiert

Arthur Fontaine aus Merzig präsentiert sein neues Buch „Die Marienstätten am Trierer Markusberg: Das Ensemble von Säule, Kapelle und Stationsweg“ in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier.


In seinem Vortrag skizziert der Verfasser die bemerkenswerte Entstehungsgeschichte des heimlichen Trierer Wahrzeichens, das ein neugotischer Pfeiler ist. Der Anlass für die Errichtung der Trierer Mariensäule war 1854 die Verkündigung des Mariendogmas durch Papst Pius IX. (1846-1878) in einer Zeit der besonderen katholischen Marienverehrung. Daher bildete sich auch im Herbst 1858 in Trier eine katholische Bürgerbewegung aus Handwerkern und Kaufleuten, die ein ganzes Ensemble aus Mariensäule, Mariahilf-Kapelle und Stationenweg in Eigeninitiative von 1859 bis 1890 unterstützte. Architektonische Vorbilder für die hiesige Mariensäule sind barocke Marienstatuen und die Kölner Mariensäule. Die Trierer Mariensäule beeindruckt vor allem durch ihre einfache und klare Gestaltung. Fontaine wendet sich gegen die verbreitete Provokationsthese, nach der die Mariensäule als eine antipreußische Demonstration gedacht gewesen sein sollte.

Arthur Fontaine: Die Marienstätten am Trierer Markusberg: Das Ensemble von Säule, Kapelle und Stationsweg, Trier, Kliomedia Verlag, 2010.


Goethe und die Bibel
Der international renommierte Germanist und Goetheforscher Gerhard Sauder (Universität des Saarlandes) sprach zum Bibelverständnis der Aufklärung und zu Johann Wolfgang von Goethes Verhältnis zum Alten und Neuen Testament am 8. Februar 2010 in der Bibliothek des Priesterseminars Trier.


Im Zeitalter der Aufklärung verstand sich die Philosophie als „Leitwissenschaft“ (Sauder), die der Bibelauslegung der Kirchen kritisch gegenüberstand. Sie lehnte das Modell einer Verbalinspiration ab und wandte sich gegen eine dogmatische Auslegung biblischer Texte. Goethe wuchs in einer protestantisch-pietistischen Familie auf, in der bereits in Kinderjahren sein Interesse an der Bibel geweckt wurde. Ihn faszinierten sein Leben lang vor allem die Erzählungen des Alten Testaments, während er dem Neuen Testament kritisch gegenüberstand. Deshalb lernte er neben Griechisch und Latein auf eigenen Wunsch die hebräische Sprache, um beide Testamente im Original lesen zu können. So übersetzte er u. a. das Hohe Lied und die Sprüche Königs Salomon. Auf seinem weiteren Lebensweg entfernte Goethe sich immer mehr von dem frommen Protestantismus. Er lehnte die christliche Vorstellung von der Erbsünde ab und sah in Jesus Christus nur einen außerordentlichen Menschen. Die Kreuzestheologie und Christologie verwarf er vollständig. Immer wieder aber verwendete er Bibelmotive in seinen Werken.


Pressebericht der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier vom 24. März 2010
Bibel aus dem Kloster Arnstein/Lahn.
Der Trierer Domkustos Professor Franz Ronig stellte diese zweibändige „Riesenbibel“ in der Bibliothek des Priesterseminars Trier vor.


Der Trierer Kunsthistoriker Ronig, 1. Vorsitzender der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS, sprach über die „Arnsteiner Bibel aus der Londoner Britischen Bibliothek“. Diese zweibändige Bibel gehört zu den Prachtexemplaren romanischer Buchmalerei aus dem Mittelrheingebiet. Sie entstand 1172 in der Schreiberwerkstatt des Klosters Arnstein an der Lahn. Als großformatige Bibel zählt sie zu der Familie der “Riesenbibeln”. Sie fällt besonders durch eine reiche bildliche Ausgestaltung der Anfangsbuchstaben auf, inspiriert durch die rheinisch-maasländische Buchkunst. Ein Agent von dem britischen Bücher- und Handschriftensammler Harley kaufte im 18. Jahrhundert Arnsteiner Handschriften, darunter diese Bibel. Nach dem Tod Harleys wurde diese Bibel dem Britischen Museum vermach und wird heute in der dortigen Bibliothek aufbewahrt.


Pressebericht der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier und von PRO LIBRIS vom 8. Dezember 2010.
Die Menschwerdung Christi in den Bildern der gotischen Buchmalerei im 14. Jahrhundert
Der Trierer Domkustos Professor Franz Ronig stellte die Weihnachtsmotive aus dem „Festivale aus Merten“ und dem „Valkenburg Graduale“ in der Bibliothek des Priesterseminars vor.


In seinem Vortrag „Die Menschwerdung Christi in den Bildern der gotischen Buchmalerei im 14. Jahrhundert“ skizzierte Ronig, 1. Vorsitzender der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS, die Darstellung der Menschwerdung Christi in Miniaturen der gotischen Buchmalerei aus der kunsthistorischen Landschaft von Trier und Metz. Seinen Vortrag begann er mit den Weihnachtsmotiven in dem „Festivale“ aus dem kleinen Dorf Merten in Lothringen, nahe zur Grenze des Erzbistums Trier. Das besondere Merkmal dieser Handschrift ist die ungewöhnliche Kombination eines Missales und eines Stundenbuchs in einem Band. Dabei gestalteten aber zwei verschiedene Meister die Ornamentik und die Bilder, was an stilistischen Unterschieden sichtbar wird. Diese Handschrift wurde zum Totengedächtnis gestiftet und für Feste verwendet. Das Motiv der Menschwerdung Christi findet sich auch im „Valkenburg Graduale“ aus der Dombibliothek Köln und der Universitätsbibliothek Bonn, das der Franziskaner Johannes von Valkenburg um 1299 schuf. Einen weiteren großen Abschnitt bildeten die zahlreichen Miniaturen aus dem Perikopenbuch des Trierer Erzbischofs Kuno von Falkenstein, die den Zyklus im „Codex Egberti“ gotisch weiter bearbeiteten. Eine biblisch-dogmatische Zusammenfassung gab eine Miniatur aus der „Armen-Bibel“ aus dem 14. Jahrhundert in der Österreichischen Nationalbibliothek. Das Motiv der knieknden Anbetung des Kindes wurde am Beispiel des „Gisela-Codex“ aus Osnabrück erläutert.


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