2011

Pressebericht der Bibliothek des Priesterseminars Trier vom 31.1.2011

Johannes Trithemius und der Buchdruck

Der international renommierte Handschriftenforscher und Bibliothekar Dr. Armin Schlechter (Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz, Speyer) referierte in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier über das Thema „Johannes Trithemius und der Buchdruck“.

Im Mittelpunkt des Vortrages stand das literarische Schaffen und theologische Wirken des Benediktiners Johannes von Trittenheim (1466–1516): Trithemius war Zeitzeuge des beginnenden Buchdrucks, begleitete die Medienrevolution von der Handschrift zum Buchdruck und nutzte diesen Umbruch geschickt für seine Anliegen. Als Theologe vermittelte er in Deutschland zwischen dem Humanismus und dem katholischen Glauben. Er engagierte sich in der Reform seines Ordens. Mit seinen gedruckten Broschüren und Büchern erreichte er viele Leser. Obwohl er nie ein Erfolgsautor werden wollte, wurde sein bibliografisches Nachschlagewerk „De viris ecclesiasticis“ („Über Kirchenmänner“) ein Standardwerk. Sein Interesse an Geheimschriften brachte ihm zu Unrecht den Vorwurf der schwarzen Magie ein.


Pressebericht der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier vom 16. Februar 2011

Ein flämisches Prachtstundenbuch von Weltrang lässt bibliophile Herzen höher schlagen

Der Trierer Forscher Hans-Joachim Kann stellte das neue Faksimile des „Da Costa-Stundenbuchs von Simon Bening“ in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier vor.

Ein Stundenbuch ist das vereinfachte Stundengebet des Priesters für die ganz persönliche Andacht von Laien in einem Buch. Das Da Costa-Stundenbuch entstand um 1515 in dem Atelier des flämischen Buch- und Miniaturmalers Simon Bening (um 1483–1561) wahrscheinlich im flämischen Brügge. Dieses Stundenbuch war wohl ein Geschenk von Papst Leo X. für Manuel I., den König von Portugal. Von diesem gelangte dieser Buchschatz über die portugiesische Adelsfamilie Da Costa, nach der es heute auch benannt wird, 1910 in den Besitz des amerikanischen Bankiers J. P. Morgan und in die Morgan Library in New York. Dieses Kunstwerk ist somit auch ein Symbol für die damalige Europäisierung der Kunst. Die 170 Miniaturen zeigen verschiedene Motive: Mensch und Tier während eines ganzen Kalenderjahres in einer flämischen Landschaft; sie stellen die vier Evangelisten Markus, Matthäus, Lukas und Johannes dar sowie ferner das Leben von Jesus Christus und zahlreicher Heiliger. Auch die heilige Helena wird in einer sehr schönen Miniatur abgebildet. Das Costa-Stundenbuch ist eine bemerkenswerte Kostbarkeit, denn seine Miniaturen belegen eindrucksvoll Simon Benings künstlerische Innovations- und Schaffenskraft: Er arbeitete als einer der ersten Künstler nach dem Mittelalter in seinen Miniaturen mit Lichtquellen, Schatten und Perspektiven. Seine größte Innovation war die Eroberung des tiefen Raumes. Zudem kommentiert er das Geschehen in den Miniaturen durch deren Umrahmungen.


Rainer Schwindt als Direktor der Bibliothek des Priesterseminars verabschiedet

Vortrag über die „Bibel von St. Paul vor den Mauern in Rom“

Dr. Rainer Schwindt wurde auf die Professur für Bibelwissenschaft an die
Universität Koblenz-Landau, Standort Koblenz, berufen. Deshalb scheidet er aus seinem Amt als Direktor der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier aus. Zur Verabschiedungsfeier am 15. März, zu der der Leiter des Priesterseminars Michael Becker zahlreiche Gäste begrüßen konnte, hatten das Bischöfliche Priesterseminar Trier und die Bibliophile Gesellschaft Trier PRO LIBRIS eingeladen. Der 1. Vorsitzende von PRO LIBRIS, Prof. DDr. Franz Ronig, hielt einen Vortrag über die Buchmalerei der karolingischen Riesenbibel von „St. Paul vor den Mauern“, deren Faksimileausgabe zu den wertvollsten Stücken des Bibliotheksbestands zählt.
Diese karolingische Prachtbibel bezeugt eindrucksvoll den großen Kunstverstand und die Freude Karls des Kahlen an Schönschrift, Buchmalerei und deren theologischer Aussage. Anlässlich seiner Kaiserkrönung in Rom zu Weihnachten 875 schenkte Karl der Kahle Papst Johannes VIII. diese große Werk der Buchkunst, das zur Zeit in einer Vitrine im Historischen Lesesaal der Bibliothek zu bewundern ist (Eintritt frei; Öffnungszeiten Montag bis Freitag 8-17 Uhr; Jesuitenstr. 13).


Wunderbare Messbücher aus der Ottonenzeit sind heute noch eine Augenweide.

Christoph Winterer, ausgewiesener Handschriftenforscher der Mainzer Johannes-Gutenberg-Universität, referierte in der Bibliothek des Priesterseminars Trier über die „Fuldaer Sakramentare“ aus der ottonischen Kaiserzeit. Sakramentare sind Messbücher für den Gebrauch des Priesters oder Bischofs im Gottesdienst. Die vorgestellten Messbücher schrieben und malten heute unbekannte Benediktinermönche während des 10. Jahrhunderts in der Schreibstube des Reichsklosters Fulda, dessen Äbte dem ottonischen Kaiserhof nahe standen. Da die Buchmalerei aus diesem Reichskloster Vorbild für die Schreibstuben anderer Klöster wurde, arbeiteten andere Skriptorien an den Messbüchern aus Fulda mit. Ihre prachtvollen Bilder stellen Begebenheiten aus dem Leben Jesu und der Heiligen dar. Die außergewöhnliche Ausführung der Bilder mit kostbaren Farben auf wertvollen Tierhäuten versetzt uns heute noch ins Staunen und regt zur Ursachenforschung an. Die Bilder könnten für die Priester und Bischöfe Gedankenstützen gewesen sein, um die Liturgie zu fördern.


16.11.2011

Heilig-Rock-Wallfahrten als mediale Massenereignisse

Professor Dr. Wolfgang Schmid (Universität Trier) referiert über die Heilig-Rock-Wallfahrten als mediale Massenereignisse auf Einladung der Bibliophilen Gesellschaft Trier PRO LIBRIS in der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier.

In seinem Vortrag „500 Jahre Wallfahrten zum Heiligen Rock im Spiegel von Publikationen aus der Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars Trier“ charakterisierte Professor Dr. Wolfgang Schmid (Universität Trier) die Wallfahrten zum Heiligen Rock als epochale Medienereignisse. Sie prägten, wie Schmid den zahlreichen Zuhörern überzeugend an Druckschriften aus den Beständen der Bibliothek darlegen konnte, die Trierer Landes- und Bistumsgeschichte der letzten 500 Jahre.

Das „Gewand von Jesus Christus“ steht seit 1512 im Mittelpunkt des medialen Interesses. Die Berichterstattung über die Wallfahrt nutzte stets die neu(st)en Medien, um den Heiligen Rock den Pilgern zu präsentieren. Einblattdrucke, Flugschriften, Kupferstiche, Bücher, Berichte in Zeitschriften und Zeitungen, Fotos und Filme sowie Internet- und Facebookseitenentfalteten im Laufe der Jahrhunderte eine eigene Wirkmächtigkeit.

Die mächtige mediale Präsenz der Wallfahrtenprägte über Jahrhunderte hinweg das Profil der katholischen Kirche und begründete eine gemeinsame Identität der Gläubigen. Andererseits polarisierte sie das Zusammenleben mit den Protestanten, aber auch mit Kritikern, die der katholischen Kirche angehörten. Besonders im 19. Jahrhundert spaltete die Diskussion um die „Echtheit“ des Heiligen Rocks, um die Zahl der erhaltenen Gewänder Christi und um Wunderheilungen das katholischem Rheinland und das protestantische Preußen.

Die Bibliothek des Bischöflichen Priesterseminars besitzt eine reichhaltige Sammlung an gedruckten Publikationen zu allen Heilig-Rock-Wallfahrten.



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